better late than never
better late than never, 2026, Installation, 220x305x280 cm
better late than never
Die Gartenlaube ist ein deutsch codierter Mikroraum zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, zwischen Idyll und Abschottung: ein Ort, an dem sich Selbstbilder stabilisieren, an dem Ordnung hergestellt wird, an dem aber auch Weltbilder „gelagert“ werden können.
Meine Abschlussarbeit zum Master of Fine Arts better late than never ist eine szenische Installation. Eine Gartenlaube, aufgebaut in einem weißen, scheinbar neutralen Raum. Die ca. 2 x 3 m große Hütte aus Holz ist klein, aber als Verdichtung gedacht – als Innenraum voller Objekte, Spuren und „Ablagen“, die auf Verbergen, Aufbewahren, Vorbereiten verweisen. Ein Leitmotiv stellt für mich die Prepper-Szene dar mit ihren Gedanken zur vermeintlichen Bedrohung bzw. Sicherheit und der Frage, was ein Mensch zum Leben und Überleben braucht. Dazu bediene ich mich einer Art von Assemblage, in der sämtliche scheinbar nützliche Gegenstände angehäuft und präsentiert werden.
Die Arbeit soll eine Situation erzeugen, in der Betrachtende mit ihren eigenen Deutungsreflexen konfrontiert sind: Was wirkt harmlos – und warum? Wo beginnt Ideologie im Alltäglichen? Und wie kippt vermeintliche Normalität in Ausschluss?
Der Ausstellungsraum ist abgedunkelt, die Besucherinnen bewegen sich mit Taschenlampen durch den Raum. Die Gartenlaube erscheint dabei zunächst nur ausschnitthaft und erschließt sich erst im gezielten Abtasten mit Licht. Im Inneren entsteht eine andere Atmosphäre: Eine Kerze und ein kleines Solarlicht erzeugen eine warme, fragile Beleuchtung, die sich deutlich von der Kühle des Ausstellungsraums abhebt. Die Petroleumlampe verstärkt diesen Effekt auch körperlich durch eine spürbare Temperaturveränderung. Eine olfaktorische Ebene ergänzt die Wahrnehmung: Der Geruch von Benzin, gekochtem Essen, Kaffee und Petroleum überlagert sich und bewegt sich zwischen Vertrautheit und latenter Unsicherheit ein Gefühl von Improvisation und Prekarität. Auf dem Tisch spielt ein Radio klassische Musik, die immer wieder von Rauschen unterbrochen wird. Die dadurch entstehenden Störungen irritieren und lassen die akustische Umgebung instabil wirken.
Die Installation wird so als Zusammenspiel von Licht, Geruch, Klang und Temperatur erfahrbar und versetzt die Besucher*innen in einen Zustand zwischen Orientierung und Verunsicherung.